Sichere Webanalyse statt Googles Datenkrake
Würden Sie wildfremden Menschen sagen, wo Sie gerade einkaufen waren oder welches Thema Sie im Moment schwer beschäftigt? Nun es gibt solche Menschen, doch die Meisten werden es wohl bevorzugen persönliches für sich zu behalten.
Ob Sie nun wollen oder nicht, Sie tun es doch. Mit jedem Besuch im Internet hinterlassen Sie Spuren. Den Betreibern einer Seiten sind diese Informationen wichtig, da sie Aufschluss darüber geben wie sich Nutzer auf der Seite verhalten und welche Inhalte besonders interessant sind.
So können Angebote verfeinert und je nach Aufwand sogar personalisiert werden. Statistiken sind also in den richtigen Händen nützlich und wichtig, denn idealerweise verbessert so jeder Nutzer das Onlineangebot mit. Wer eine gewerbliche Webseite betreibt kann und darf auf eine Auswertung nicht verzichten.
Da gibt es doch was von Google
Wunderbar, ein Dienst der nichts kostet. Die Logistik steht bereits, sodass keine Entwicklungskosten entstehen und die Weiterentwicklung läuft autonom.
Google Analytics, der wohl bekannteste kostenfreie Dienst dieser Art, steht seit Ende 2009 scharf in der Kritik von Datenschützern. Mitte des Jahres 2010 reagierte Google auf einige Forderungen und ermöglicht den Analytics Nutzern den Code so zu verändern, dass die IP (eindeutige Nutzeridentifizierung) der Besucher unkenntlich gemacht wird. Trotzdem werden die verbleibenden Nutzerdaten zum Firmenstandort in die USA übertragen und darüber hinaus von Google weiter verwendet.
Dem deutschen Bundesdatenschutzgesetz zufolge ist die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten nur zulässig, wenn der Einzelne in die Nutzung seiner Daten eingewilligt. Problemlos möglich ist eine Seite die den Besucher fragt, ob er damit einverstanden ist und erst mit Bestätigung geht es zum eigentlichen Inhalt. Doch mal ehrlich, wird der Besucher auf eine Gefahr hingewiesen die er ohne den Hinweis gar nicht erkannt hätte, wird er wahrscheinlich um so ängstlicher reagieren und die Seite verlassen.
Als Seitenbetreiber sind Sie nur verpflichtet die Nutzer darüber zu informieren, dass Ihre Webseite Google Analytics verwendet, sonst riskieren Sie eine Abmahnung. Häufig findet sich diese Datenschutzerklärung im Impressum, also an dem Ort einer Webseite der erfahrungsgemäß mit am schlechtesten besucht ist und bei dessen erreichen es für den Nutzer bereits zu spät ist. Kundenfreundlich ist das nicht!
Doch kann man die Google Analytics auch als Nutzer blocken? Ja, zwar gibt es auch zusätzliche Software, die das übernimmt, doch mit wenigen Handgriffen bleibt Google bei surfen draußen.
- Windows XP / Windows Vista / Windows 7
Öffnen Sie folgende Datei im Windowsverzeichnis \system32\drivers\etc\hosts mit dem Texteditor und fügen Sie unten folgende Zeilen hinzu.
0.0.0.0 www.google-analytics.com
0.0.0.0 google-analytics.com - Linux / BeOS
Die Host-Datei finden Sie unter /etc und unter BeOS /boot/beos/etc/
Wenn nicht Google Analytics , was dann?
Es gibt weit weniger brauchbare Alternativen als man vermuten möchte. Besonders gute Erfahrungen konnte ich mit der völlig zu unrecht unbekannten Open-Source (kostenfreie Anwendung) „Piwik“ sammeln.
Es handelt sich um ein Projekt mit dem ehrgeizigen Ziel eine Alternative für Google Analytics zu bieten. Mit einem nahezu identischen Leistungsumfang und einer voll anpassbaren Optik, ist die Erwartung durchaus über erfüllt.
Ohne die Problematik der Verletzung von Datenschutzrichtlinien bietet die Anwendung alles was für die erfolgreiche Analyse einer Webseite benötigt wird.
- ausführliche Berichte über das Besucherverhalten auf Ihrer Webseite
- beliebtesten Seiten Ihrer Präsentation
- benutzte Suchbegriffe (Keywords)
- Tag, Wochen, Monat und Jahresübersicht der Seite
- Nutzerverhalten nach Urzeit und Wochentag
- Aufenthaltsdauer der Nutzer
- automatische Verschleierung der IP
- verwalten mehrerer Webseiten in einer Anwendung
- und vieles mehr
Piwik funktioniert auf fast jedem Webspace und ist bereits mit wenig Ressource zufrieden. Darüber hinaus gibt es für alle gängigen CMS eine Schnittstelle, die eine Einbindung zum Kinderspiel werden lässt. Betreiben Sie eine kleinere Seite, die ohne Datenbank und CMS auskommt? Auch kein Problem, teilen Sie sich ein Piwik mit anderen Nutzern, den die Anwendung ist fähig mehrere Nutzer zu verwalten die jeweils nur die eigenen Ergebnisse betrachten können.
Agenturen und Freischaffende haben häufig bereits ein solches System, dass sie dann ihren Kunden mit zugänglich machen, ohne das diese die Voraussetzungen für ein eigenes Piwik mitbringen müssen.
Fazit: Die Kosten sind überschaubar, die Verlustchancen minimal und der Zeitaufwand gering. Probieren Sie es aus, Sie werden begeistert sein und schon bald Ihre Online-Marketing mit Piwik verfeinern.
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