Seit 1993 die erste Website online ging, ist das WWW permanent im Wandel. Waren zu Beginn noch wackelnde Bilder und blinkender Texte der „Renner“, so gewinnen heute die WebVideos und  Webopener an Boden. Der Grund ist leicht zu erkennen: Warum einen Inhalt lesen, wenn er in 10 Minuten Film schneller erfasst, dramatisiert und veranschaulicht werden kann? Doch nicht jeder Film macht Sinn und vor allem nicht alles eignet sich. Es drängt sich die Frage auf, wer braucht und wer nutzt ein WebVideo?


Die wichtigsten Begriffe

WebVideo Es gibt keine einheitliche Sammelbezeichnung, doch WebVideo ist die, die sich am ehesten selbst erklärt. Dahinter verbirgt sich, wie der Name schon sagt, ein Video das als Sendefläche das www nutzt. Im Groben also Portale wie youtube, myvideo aber auch das autonom eingebettete Video auf der eigenen Website.

Webopener sind meist sehr kurze Videosequenzen, die am ehesten mit einem Intro zu vergleichen sind. Hier wird bei betreten der Seite ein Video gezeigt. Es kann sich dabei um eine Produktvorstellung, den aktuellen Werbespot des Unternehmens oder die persönliche Begrüßung einer Person handeln.

Viral Videos sind kleine Videos, die sich von selbst verbreiten und vermarkten. Häufig taucht die eigentliche Marke nur nebensächlich auf oder der Betrachter erkennt nicht auf Anhieb, um welches Produkt es sich handelt. Ein schönes Beispiel ist Levi’s: das vermeintliche Amateurvideo zeigt Männer die auf akrobatische Weise in ihre Hosen schlüpfen. Millionen Menschen schauten sich das Video an und fast jeder kannte es, doch erst nach einiger Zeit lies der Auftraggeber Levi’s durchsickern, das es eine Werbeproduktion war.

Webisode ist ein Kofferwort aus den beiden Wörtern „Web“ und „Episode“. Es handelt sich, wie der Name vermuten lässt, um kurze Episoden einer Serie die im Internet publiziert wird. Meist liegt dem eine größere Handlung zugrunde, die sich jedoch erst erschließt, wenn alle Puzzleteile zusammengefügt werden. Durch den geschickten Einsatz von Cliffhangern wird der Betrachter animiert erneut die Seite aufzusuchen und die nächste Folge zu sehen.

Bringen WebVideos Neukunden?

Tendenziell Nein. Videoportale wie  youtube, myvideo und ähnliche sind keine Suchmaschinen. Erst kürzlich veröffentlichte video-counter.com eine Auswertung der Nutzerdaten namenhafter Größen dieser Branche. Demnach finden oft weniger als 20% der Besucher anschließend den Weg auf die Website des Unternehmens. Ernüchternd, betrachtet man die Anzahl von Videos die offenkundig speziell für diesen Zweck geschaffen wurden.

Warum dann weiterlesen?

Zwischen Schwarz und Weiß befindet sich eine breite Palette an Nuancen von Grau. Videoportale sind nur ein Einsatzort von WebVideos und auch dort können sie gute Dienste leisten. Das kaum jemand die Unternehmensseite besucht, stört nicht, wenn dafür der Firmenname an Bekanntheit gewinnt und mit etwas bestimmten assoziiert wird. So habe ich die Website von Levi’s noch nie besucht und trotzdem ein paar Hosen der Marke im Schrank. In der Fachsprache bezeichnet man dies als „Branding“, wie das was man mit den Kühen macht um zu zeigen „du gehörst mir“.

WebVideos auf derartigen Portalen sollen interessieren, mehr können sie nicht. Bedenken Sie, dass Sie nach einer tollen TV Werbung auch nicht aufspringen, den PC starten und sofort eine Reise nach Ägypten buchen. WebVideos in Form von Gebrauchsfilmen auf Ihrer eigenen Seite, können hingegen eine hilfreiche Unterstützung zum Text sein oder speziell Abläufe verdeutlichen.

Wann also Wo richtig werben?

Was sagt Ihnen Ihr Bauch? Wenn Sie Hochdruckreiniger verkaufen, brauchen Sie mit Sicherheit keinen eigenen youtube Kanal. Sicherlich könnten Ihre Clips großen Erfolg haben, im Sinne des Branding, aber auf einer Plattform, die vornehmlich von Jugendlichen genutzt wird, könnte sich der Erfolg erst nach Jahren einstellen. Bleiben wir bei dem Hochdruckreiniger und verlegen wir das Video auf die Unternehmensseite. In dem Gebrauchsvideo wird erklärt wie mit dem Gerät Sandstein so bearbeitet werden kann, dass über einen längeren Zeitraum kein Moos ansetzt und der Stein nicht beschädigt wird. Kunden die das Produkt gekauft haben, können so einen Mehrnutzen über die Seite erlangen. Zufriedene Kunden machen bekanntlich die beste Werbung überhaupt indem sie es weitererzählen.

WebVideo und/oder Imagefilm?


Generell kann ein Imagefilm auch ein WebVideo sein, doch ein gutes WebVideo wird nur schwer zu einem Imagefilm. Imagefilme sollten eine Länge von 10 Minuten nicht überschreiten, WebVideos hingegen kommen schon gut mit dem 1/4 der Zeit aus. Idealerweise passen Sie Länge und Inhalt jedoch an die jeweilige Zielgruppe an.

So kann in Stufe 1 für unser obiges Beispiel ein witziges oder gar virales Video für Hochdruckreiniger entstehen. Damit begeistern wir die Jugend und hoffen, dass diese bei einer Kaufentscheidung daran denken werden.

In Stufe 2 fangen wir hingegen die Besucher der Firmenwebsite ab und halten ein Produktvideo oder Imagefilm bereit. Anders als bei Videoportalen, hatte der Nutzer von Anfang an den Wunsch Informationen zum Unternehmen/Produkt zu erhalten. Hier punkten wir mit einer emotionalen und informativen Produktion.

Stufe 3 ist perfekt um Kunden zu halten, denn wir platzieren nun unsere Gebrauchsvideos für Kunden/Käufer. Inhalte können Hinweise zur Handhabung, Wartung oder Erweiterung sein. Durch den Mehrnutzen wird er gern wiederkehren und Sie haben erneut die Möglichkeit Ihr Produkt oder die Dienstleistung anzubieten.

Das klingt nach viel Geld!

Es klingt aber vor allem nach Investition. Grundsätzlich müssen Sie wissen was Ihnen Image und Zukunftsinvestition wert sind. Lassen Sie den Hochdruckreiniger mit hollywoodreifen Techniken präsentieren, wird das sicherlich nicht ganz billig und steht in keiner Relation zum Verkaufspreis des Produktes. In keinem Fall sollten Sie sich jedoch mit dem eigenen Camcorder bewaffnen und zur Tat schreiten. Das Ergebnis könnte in Stufe 1 sicherlich zu unfreiwilligem Ruhm gelangen, doch für Stufe 2 und 3 ist sogar ein kontraproduktives Ergebnis zu befürchten.

Das brauch ich auch!

Wirklich? Häufige Argumente sind: „das hat mein Mitbewerber, da brauch ich das auch“ oder „das ist doch jetzt modern, oder“? Nur Herdentiere folgen blind und bilden bei Anzeichen von Unsicherheit ein leichtes Opfer.

  • Bedenken Sie genau, was Sie erreichen wollen.
  • Suchen Sie in besagten Videoportalen nach Schlagworten Ihrer Branche und analysieren Sie die Ergebnisse auf Bewertungen, Kommentare, Aufrufe.
  • Sehen Sie sich auch bei branchenfremden Unternehmen um und sammeln Sie gegebenenfalls Beispiele die Ihnen zusagen.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Zielgruppe auf Messen oder zu Firmenbesichtigungen.
  • Überlegen Sie, wie Sie die Menschen ansprechen wollen.
  • Beziehen Sie Ihre Angestellten in die Überlegung ein. Diese sind nah am Kunden und können wichtige Hinweise geben.

Selbstverständlich gibt es noch viele Faktoren und Hinweise die fehlen und genannt werden könnten. Doch mit diesen Überlegungen im Gepäck bringen Sie schon viel in die Zusammenarbeit mit einer Produktionsfirma oder Agentur mit ein. Die Fachleute werden/sollten Sie in Planung, Produktion, Vermarktung und Pflege der Marketing-Aktion beraten und zu Ihrem individuellen Ergebnis begleiten.

Sie sind gut? Sagen Sie es nicht nur, zeigen Sie es auch!

Viel Erfolg!